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<title>Gedackt</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Gedackt</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Gedackt</b> (von mittelhochdeutsch <i>gedact</i>, „gedeckt“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>), auch <b>Gedeckt</b>, ist die Bezeichnung von <a href="Register_(Orgel)" title="Register (Orgel)">Registern</a> der <a href="Orgel" title="Orgel">Orgel</a>, deren <a href="Orgelpfeife" title="Orgelpfeife">Pfeifen</a> am oberen Ende geschlossen (<b>gedackt</b>) sind. Hierbei handelt es sich vor allem um <a href="Orgelpfeife#Labialpfeifen_(Lippenpfeifen)" title="Orgelpfeife">Labialpfeifen</a>. Gedackte <a href="Orgelpfeife#Lingualpfeife" title="Orgelpfeife">Lingualpfeifen</a> sind weitaus seltener und werden auch nicht mit dem Begriff <i>Gedackt</i> bezeichnet. Im engeren Sinn werden unter dem Begriff nur solche Pfeifen verstanden, die über die gesamte Länge den gleichen Umfang haben, z. B. zylindrische Metallpfeifen. Gedackte Pfeifen mit sich zum gedackten Ende hin verjüngendem Umfang, z. B. konische Metallpfeifen, werden als <b>Spitzgedackt</b> bezeichnet und verhalten sich auch physikalisch abweichend.
</p><p>Ferner werden denselben akustischen Gesetzen gehorchende <a href="Fl%C3%B6te" title="Flöte">Flöten</a> mit einem geschlossenen distalen (körperfernen) Ende als <i>gedackt</i>, mit einem halbgeschlossenen Ende als <i>halbgedackt</i> bezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Bereits die antike <a href="Hydraulis" title="Hydraulis">Hydraulis</a> in <a href="Aquincum" title="Aquincum">Aquincum</a> enthielt gedackte Register, wie die Überreste aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. belegen. Vermutlich hat <a href="Burkhard_Dinstlinger" title="Burkhard Dinstlinger">Burkhard Dinstlinger</a> im 15. Jahrhundert zur Verbreitung des Gedackts beigetragen. <a href="Michael_Praetorius" title="Michael Praetorius">Michael Praetorius</a> (1619) ging hingegen davon aus, dass im 14. und 15. Jahrhundert nur offene Pfeifen gebaut worden seien.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zu Beginn des 16. Jahrhunderts sind im niederländisch-norddeutschen und polnischen Orgelbau gedeckte Register nachweisbar, im Lauf des Jahrhunderts auch in Frankreich, Spanien und Italien. Erstmals findet sich die Verwendung der Bezeichnung <i>gedecket</i> in einem Orgelbauvertrag von 1519 für die Orgel in St. Lamberti in Lüneburg.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In den Niederlanden wird bis heute der Name „Holpijp“ (Hohlpfeife), in England „Stopped Diapason“ und in Frankreich und Belgien „Bourdon“ bevorzugt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauweise_und_Klang">Bauweise und Klang</h2></div>
<p>Kennzeichnend ist die Bauweise mit Labialpfeifen, deren oberes Ende geschlossen (gedackt/gedeckt) ist. Bei (runden) Metallpfeifen verwendet man entweder einen aufgelöteten Deckel oder bewegliche <i>Stimmhüte</i>, bei (eckigen) Holzpfeifen dagegen einen <i>Spund</i>. Das Verschließen des distalen Pfeifenendes hat zur Folge, dass der von einer solchen Pfeife erzeugte Ton eine Oktave tiefer ist, als die Rohrlänge erwarten lässt. Dies liegt daran, dass die <a href="Stehende_Welle" title="Stehende Welle">stehende Welle</a> im Pfeifenkorpus durch Reflexion am Rohrende dort nicht ein Schnellemaximum (Schwingungsbauch), sondern erzwungenermaßen ein Druckmaximum (Schwingungsknoten der Schallschnelle) hat. Innerhalb der Pfeife liegt dann statt der Hälfte (wie bei einer offenen Pfeife) ein Viertel der Welle. Die Wellenlänge der Grundresonanz ist also doppelt so groß. Gedackte Pfeifen können demnach als einseitig geschlossen angesehen werden.
</p><p><i>Gedackte</i> in Oktavlage werden in den Fußlagen 32′ (im Pedal, in <i><a href="Liste_von_Gro%C3%9Forgeln" title="Liste von Großorgeln">Großorgeln</a></i> selten auch im Manual), 16′, 8′ und 4′ gebaut. Ein gedacktes 2′-Register über den gesamten Klaviaturumfang ist selten, da es in der hohen Lage schwierig herstellbar ist. In einigen Großorgeln steht im Pedal auch ein gedacktes 64′-Register. Ein voll ausgebautes, also bis zum Subsubkontra-C reichendes, 64′-Gedacktregister ist bisher jedoch nicht bekannt. Die Quinten <span class="bruch template-frac" style="line-height:0">21<span class="visualhide"> </span><sup style="font-size: 70%; vertical-align: 0.4em;">1</sup>⁄<sub style="font-size: 70%; vertical-align: 0em;">3</sub></span>′ (im Pedal, selten und nur in großen Orgeln), <span class="bruch template-frac" style="line-height:0">10<span class="visualhide"> </span><sup style="font-size: 70%; vertical-align: 0.4em;">2</sup>⁄<sub style="font-size: 70%; vertical-align: 0em;">3</sub></span>′ (im Pedal) und <span class="bruch template-frac" style="line-height:0">5<span class="visualhide"> </span><sup style="font-size: 70%; vertical-align: 0.4em;">1</sup>⁄<sub style="font-size: 70%; vertical-align: 0em;">3</sub></span>′ werden ebenfalls fast immer als Gedackte ausgeführt. Gedackt 8′ ist sehr häufig anzutreffen und in den meisten Kleinorgeln das einzige labiale 8′-Register.
</p><p>Gedackte Register sind deutlich leiser als offene Register, klingen leicht hohl und flötenhaft und sind auch dunkler in ihrer Klangfarbe. Im Obertonspektrum sind nur die geradzahligen <a href="Oberton" title="Oberton">Obertöne</a> enthalten, die den ungeradzahligen <a href="Harmonische" title="Harmonische">Harmonischen</a> entsprechen. Die anderen Obertöne, darunter die Oktaven, fehlen. Ein eng <a href="Mensur_(Musik)" title="Mensur (Musik)">mensuriertes</a> Gedackt kann so gebaut werden, dass der 3. Teilton, die Duodezime, im Orgelbau als Quinte bezeichnet, hervortritt, was der Ursprung der Namen <i>Quintatön</i> oder <i><a href="Quintadena" class="mw-redirect" title="Quintadena">Quintadena</a></i> für solche Register ist. Bei noch engerer Mensur tritt der 5. Teilton, der zwei Oktaven und eine reine große Terz über dem Grundton liegt und im Orgelbau als Terz bezeichnet wird, hervor. Dieses nur selten gebaute Register wird bspw. <i>Terzadena</i> oder <i>Tiercina</i> genannt.
</p><p>Gedacktregister werden mit rundem Querschnitt aus Metall und mit viereckigem Querschnitt aus Holz gebaut. Hin und wieder werden auch die tiefsten Pfeifen eines offenen Registers (z. B. <i>Rohrflöte</i>, <i>Hohlflöte</i>, <i><a href="Prinzipal_(Orgel)" title="Prinzipal (Orgel)">Prinzipal</a></i>) gedackt ausgeführt, um Platz, Gewicht, Material oder Kosten zu sparen.
</p><p><i>Spitzgedackte</i> liegen klanglich zwischen offenen und gedackten Registern. Anders als bei gedackten Pfeifen mit über der gesamten Länge gleichem Querschnitt sind bei Spitzgedackten alle Obertöne im Spektrum enthalten. Die Länge von Spitzgedackten hängt von der Querschnittsänderung ab und liegt zwischen der von zylindrisch gedackten und offenen Pfeifen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Flöten"><span id="Fl.C3.B6ten"></span>Flöten</h2></div>
<p>Auch manche <a href="Fl%C3%B6te" title="Flöte">Flötenarten</a> haben eine gedackte Bauweise. Während bei den meisten Flöten, also den <a href="Blockfl%C3%B6te" title="Blockflöte">Blockflöten</a> und <a href="Querfl%C3%B6te" title="Querflöte">Querflöten</a>, das Rohrende offen ist, hat die <a href="Panfl%C3%B6te" title="Panflöte">Panflöte</a> meist geschlossene Enden. Eine der selten vorkommenden, beidseitig geschlossenen Querflöten ist die <a href="Ibirongwe" title="Ibirongwe">Ibirongwe</a> in Kenia.
</p><p>Der klangliche Unterschied zwischen einer offenen und einer gedackten Flöte lässt sich gut an einem Blockflötenkopf verdeutlichen, indem man ihn einmal offen anbläst und einmal beim Blasen die untere Öffnung mit der Handfläche abdeckt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Liste_von_Orgelregistern" title="Liste von Orgelregistern">Liste von Orgelregistern</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Roland_Eberlein" title="Roland Eberlein">Roland Eberlein</a>: <cite style="font-style:italic">Orgelregister. Ihre Namen und ihre Geschichte</cite>. 3. Auflage. Siebenquart, Köln 2016, ISBN 978-3-941224-00-1, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>278–281</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Gedackt&rft.au=Roland+Eberlein&rft.btitle=Orgelregister.+Ihre+Namen+und+ihre+Geschichte&rft.date=2016&rft.edition=3.&rft.genre=book&rft.isbn=9783941224001&rft.pages=278-281&rft.place=K%C3%B6ln&rft.pub=Siebenquart" style="display:none"> </span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.sengpielaudio.com/UnterscheideHarmonische.pdf">Unterscheide Harmonische, Partialtöne, Teiltöne und Obertöne – pdf</a> (42 kB)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.sengpielaudio.com/Harmonische-Partialtoene-Obertoene.pdf">Harmonische, Partialtöne, Teiltöne und Obertöne – pdf</a> (255 kB)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.dwds.de/wb/gedackt">www.dwds.de</a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Eberlein: <i>Orgelregister.</i> 2016, S. 278.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Harald Vogel, Günter Lade, Nicola Borger-Keweloh: <cite style="font-style:italic">Orgeln in Niedersachsen</cite>. Hauschild, Bremen 1997, ISBN 3-931785-50-5, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>98</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Gedackt&rft.au=Harald+Vogel%2C+G%C3%BCnter+Lade%2C+Nicola+Borger-Keweloh&rft.btitle=Orgeln+in+Niedersachsen&rft.date=1997&rft.genre=book&rft.isbn=3931785505&rft.pages=98&rft.place=Bremen&rft.pub=Hauschild" style="display:none"> </span></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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